Leitfaden: dein erstes eigenes Treffen

Praktische Hilfe für alle, die zum ersten Mal ein Furry-Treffen planen: Beispiele, Vorgehen und eine Checkliste zum Herunterladen.

Stand: 2026-10-10 — ohne Gewähr, keine Rechtsberatung.

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Zum Abhaken und Ausdrucken. Der Inhalt entspricht der Checkliste weiter unten.

Für wen ist dieser Leitfaden?

Du planst zum ersten Mal ein Furry-Treffen, einen Meet, ein Picknick oder Ähnliches und führst es selbst durch? Dann bist du hier richtig. Gedacht ist das alles für Privatpersonen und für Treffen bis etwa 300 Personen, meist im öffentlichen Raum wie Park, Platz oder Ausflugsziel.

Conventions mit deutlich mehr Teilnehmenden werden von Vereinen mit eigenen Strukturen organisiert und gehören nicht zur Zielgruppe.

Hier findest du Beispiele und ein klares Vorgehen: wen du fragst, was du prüfst und was du schriftlich festhältst. Welche Regeln an deinem Ort gelten, musst du selbst in Erfahrung bringen; vollständige oder tagesaktuelle Angaben pflegen wir dazu nicht.

Abgedeckt sind Deutschland, Österreich und die Schweiz; Sachsen und Dresden dienen nur als Beispiele. Prüfe jede Regel für dein Land, deinen Kanton oder deine Kommune.

Die Angaben sind allgemein gehalten, ohne Gewähr und keine Rechtsberatung. Gesetze und Satzungen ändern sich; im Zweifel fragst du die zuständige Stelle.

Haltung und Werte

Das Furry-Fandom ist offen und tolerant und versteht sich inoffiziell als Teil der LGBTQIA+-Bewegung: Viele Mitglieder fühlen sich dazugehörig und leben diese Werte.

Deshalb setzen wir auf Inklusion, Barrierefreiheit, einen Verhaltenskodex und Awareness.

Auch die Gefährdung sprechen wir offen an, ohne Angst zu machen: Veranstaltungen, die für Vielfalt stehen, sind denselben Anfeindungen ausgesetzt wie CSDs und andere queere Veranstaltungen. Mit guter Vorbereitung bleibt das beherrschbar.

Begriffe

Nur das Wesentliche für Organisierende. Mehr steht in der WikiFur, einem Wiki der Furry-Community; die Links öffnen eine externe Seite.

Furry
Fan-Kultur rund um anthropomorphe Tiere und Fabelwesen, oft mit einem eigenen Charakter (Fursona). Offen, tolerant und eng mit der LGBTQIA+-Community verbunden. WikiFur: Furry (öffnet in neuem Tab)
Fursuit (Suit)
Tierkostüm des eigenen Charakters, oft ein selbst gebautes, wertvolles Einzelstück. Für die Planung wichtig: eingeschränkte Sicht, gedämpftes Hören, Hitze und Empfindlichkeit gegen Ziehen und Anfassen. WikiFur: Fursuit (öffnet in neuem Tab)
Fursuiter (Suiter)
Die Person im Suit.
Spotter (auch Walker oder Handler)
Begleitet einen Fursuiter und schützt ihn. Mehr dazu im nächsten Abschnitt. WikiFur: Spotter (öffnet in neuem Tab)
Headless-Bereich
Rückzugsort, an dem Fursuiter den Kopf abnehmen können, ohne dass Außenstehende zusehen (goldene Regel, siehe „Regeln für Fursuiter selbst“). Dort gibt es keine Fotos.
Suitwalk
Gemeinsamer Spaziergang oder Umzug in Fursuits im öffentlichen Raum.

Risiken durch den Suit

Ein Fursuit ist größer, breiter und unübersichtlicher als ein Mensch ohne Kostüm und gefährdet damit andere Teilnehmende, Passanten und den Suit selbst. Beziehe diese Punkte in deine Planung ein.

Kinder
Kinder sind klein und liegen leicht außerhalb des Sichtbereichs eines Fursuiters, der sie dann unabsichtlich anrempeln oder auf sie treten kann. Auch deshalb braucht jeder Fursuiter einen Spotter, der Kinder im Blick behält.
Tiere
Auch Tiere können unvorhersehbar reagieren, aus Angst, aus Aggression oder aus Beschützerinstinkt gegenüber ihren Haltern. Ein Fursuit kann sie zusätzlich irritieren. Halte deshalb lieber Abstand, wenn die Halter nichts anderes signalisieren.
Lange Tails
Auf einen langen Schweif treten andere Fursuiter leicht unabsichtlich. Das kann den Suit beschädigen oder zu einem Sturz führen — bei der Person im Suit ebenso wie bei der, die darauftritt.
Große Flügel
Große Flügel engen den ohnehin schmalen Sichtbereich anderer Fursuiter weiter ein. An engen Stellen kann sich die Person im Suit einklemmen und den Suit beschädigen; außerdem rempelt sie leicht unabsichtlich andere an.
Harte, spitze Teile
Krallen und Zähne aus hartem Material oder mit Spitzen erhöhen das Verletzungsrisiko für andere Teilnehmende und für Passanten.

Was du als veranstaltende Person tun kannst

  • genug Platz einplanen und Engstellen wie schmale Türen, Treppen und Gänge vermeiden oder Spotter dort vorausgehen lassen
  • mehr Spotter als Fursuiter, wo es voll ist oder viele Kinder da sind; auf Kinder, lange Tails und große Flügel achtet der Spotter besonders
  • bei der Anmeldung nach besonders langen Tails, großen Flügeln und harten, spitzen Teilen fragen und mit den Betroffenen klären, wie sie sich im Gedränge verhalten
  • in Menschenmengen und bei Kindern harte, spitze Krallen und Zähne abdecken, abpolstern oder zu Hause lassen
  • bei Tieren, etwa Hunden von Passanten, Abstand halten, solange die Halter nichts anderes signalisieren

Regeln für Fursuiter selbst

Diese Regeln gelten für alle, die einen Suit tragen. Gib sie vorab weiter, zum Beispiel im Event-Text oder in der Anmeldebestätigung.

Grundregeln

  • Kenne deine Grenzen und überanstrenge dich nicht.
  • Bei Problemen wende dich an deinen Spotter, an die Veranstaltenden oder an andere Personen.
  • Trinke genug.

Die goldene Regel

Im Furry-Fandom gilt eine goldene Regel: Kopf und andere Teile des Fursuits werden nicht im Beisein Außenstehender abgenommen. So bleibt die Immersion des Charakters, der sogenannte „Zauber“, erhalten. Zum Abnehmen gehst du in den Headless-Bereich oder an einen Ort ohne Zuschauer. Im Notfall hat die Gesundheit immer Vorrang.

Haut im Suit

Möglichst keine Haut zeigen: Das hängt vom jeweiligen Charakter ab, bei hohen Temperaturen wird oft darauf verzichtet. Sag vorab, was bei deinem Treffen gilt.

Im Notfall

Vor dem Suit zählt die Gesundheit. Bei Erster Hilfe wird keine Rücksicht auf den Suit genommen; er kann beschädigt oder sogar zerstört werden. Das gehört zum Notfall dazu und ist kein Fehler der Helfenden.

Eigene Grenzen und Spotter

Deshalb müssen deine eigenen Grenzen und dein Spotter zusammenspielen: Du merkst früh, wenn es zu viel wird, und dein Spotter achtet auf Anzeichen, die du im Suit selbst nicht bemerkst. Melde dich lieber einmal zu früh als zu spät.

Die Rolle des Spotters

Bei einem Treffen mit Fursuits ist der Spotter eine der wichtigsten Rollen.

Fursuiter haben ein stark eingeschränktes Sichtfeld, hören gedämpft und bewegen sich in einem kleinen Radius. Gefährlich werden schnell Treppen, Bordsteine, Poller, Verkehr, Gedränge und Hitze. Ein Spotter erkennt diese Gefahren und kennt die Grenzen „seines“ Fursuiters.

Im Idealfall hat jeder Fursuiter einen fest zugeteilten Spotter, der sich nur auf diese eine Person konzentriert. Bei großen Menschenmengen oder vielen Kindern und Jugendlichen plane mehr Spotter als Fursuiter ein: Dort wird zum Beispiel am Schweif gezogen, und die Lage wird schnell unübersichtlich.

Gewöhnliche Teilnehmende sind keine Spotter: Ihnen fehlt womöglich wichtige Erfahrung, und sie konzentrieren sich eher auf Gespräche, Fotos oder das eigene Programm.

Aufgaben

  • führen und vorausschauen, Wege freihalten, bei Gedränge abschirmen
  • wahrnehmen, was außerhalb des Sichtbereichs liegt: Kinder, andere Fursuiter, Poller und Stufen; dafür sorgen, dass lange Tails und große Flügel niemanden anrempeln oder einklemmen
  • auf Hitze und Erschöpfung achten, Pausen und Trinken einfordern; im Notfall den Kopf sofort abnehmen lassen und in den Headless-Bereich bringen; die Gesundheit geht vor der goldenen Regel
  • Verpflegung, Getränke, Wertsachen und Ersatzteile dabeihaben
  • für den Suiter sprechen, Foto- und Umarmungswünsche vermitteln und Grenzen durchsetzen (nicht von hinten umarmen, nicht hochheben, nicht am Suit ziehen)
  • Kinder und Tiere im Blick behalten und bei Tieren Abstand halten, solange die Halter nichts anderes signalisieren; beim An- und Ausziehen helfen
  • im Notfall das Awareness-Team oder den Rettungsdienst holen; Erste Hilfe geht vor dem Suit, er darf dabei beschädigt werden

Vorher absprechen

  • Handzeichen, zum Beispiel für „Pause“, „Hilfe“ und „weg hier“
  • maximale Zeit im Suit und Pausenrhythmus
  • Treffpunkt
  • Notfallnummer
  • was der Suiter darf und was nicht

Für die Planung: Lege für jeden Fursuiter einen Spotter fest und weise ihn ein. Ein Suitwalk oder ähnliches Programm findet nur statt, wenn genug Spotter da sind; sie tragen währenddessen selbst keinen Suit.

Genehmigung: örtlich prüfen

Ob und ab wann ein Treffen anzeige- oder erlaubnispflichtig ist, regelt jede Kommune selbst, in Österreich das Land, in der Schweiz Kanton und Gemeinde. Feste Schwellen nennen wir deshalb nicht.

Frage immer früh beim Ordnungsamt oder Grünflächenamt nach (in Österreich und der Schweiz bei Gemeinde und Kanton). Plane 4 bis 6 Wochen Vorlauf ein und halte die Auskunft schriftlich fest.

Beispiel Dresden: Eine Sondernutzung öffentlicher Grünanlagen beantragst du beim Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft; auch Privatpersonen können den Antrag stellen. Dem Antrag beizulegen sind unter anderem ein Lageplan und gegebenenfalls ein Nutzungskonzept. Nach Auskunft der Stadt gibt es in Sachsen keine allgemeine gesetzliche Pflicht, Veranstaltungen anzuzeigen oder zu genehmigen; einzelne Erlaubnisse können trotzdem nötig sein. Das Beispiel gilt nicht überall. Stadt Dresden: Sondernutzung von Grünanlagen (öffnet in neuem Tab)

Typische Auslöser einer Erlaubnis, unabhängig von der Größe

  • Aufbauten wie Pavillon oder Stände
  • Musik oder Lautsprecher
  • Verkauf und Ausschank
  • Sperrung oder Nutzung von Wegen und Straßen
  • gewerbliche Fotos und Filme
  • Grill oder Feuer
  • Umzug oder „Lauf“ durch die Stadt, der zur Versammlung werden kann

Ein formales Sicherheitskonzept verlangt die Behörde bei dieser Größe meist nicht; sie entscheidet im Einzelfall. Wir empfehlen stattdessen einen schlanken eigenen Sicherheits- und Notfallplan auf einer Seite. Macht die Behörde ein Konzept zur Auflage, erstellst du es selbst, und sie prüft es.

Einen Sanitätsdienst schreiben Behörden bei kleinen Treffen meist nicht vor (nur als Auflage). Empfohlen sind Ersthelfende im Orga-Team und ein Erste-Hilfe-Set.

Feiertage und stille Tage

Nur als Beispiel und Vorgehen, nicht als vollständige oder aktuelle Auskunft: An Feiertagen und stillen Tagen können besondere Regeln gelten. Du musst sie für Ort und Termin selbst in Erfahrung bringen.

Beispiel Tanzverbot: Am Karfreitag und an weiteren stillen Tagen sind in vielen deutschen Ländern öffentliche Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen eingeschränkt. Tage, Zeiten und Umfang regelt jedes Land selbst. In Österreich und der Schweiz gibt es kein einheitliches Verbot.

Auch Feiertage gelten nicht überall: Der Buß- und Bettag ist zum Beispiel nur in Sachsen gesetzlicher Feiertag, und Österreich und die Schweiz haben eigene Feiertage (in der Schweiz je nach Kanton). Das wirkt sich auf Anreise, Öffnungszeiten, Fahrpläne und die Verfügbarkeit von Locations aus.

Vorgehen

  • Prüfe den Termin gegen den Feiertagskalender des Veranstaltungsorts und der Herkunftsländer deiner Gäste.
  • Schau ins Feiertagsgesetz des Landes oder Kantons, hole die Auskunft des Ordnungsamts ein und halte das Ergebnis schriftlich fest.
  • An stillen Tagen plane kein Programm mit Musik, Tanz oder Party-Charakter; im Zweifel frage nach oder verlege den Termin.

Die zehn Kapitel

Von der Idee bis zur Nachbereitung. Klappe ein Kapitel auf, wenn du es brauchst.

1. Idee, Rahmen und Termin

Lege fest, was für ein Treffen es werden soll.

  • Art, Größe und Budget klären.
  • Den Charakter festlegen: offenes Treffen, Versammlung (etwa ein „Lauf“ wie ein CSD) oder privates Treffen. Das bestimmt Genehmigung, Verhüllungsregeln und Sichtbarkeit.
  • Zielgruppe und Altersgruppen mitdenken: Jugendschutz, Alkoholregeln und Regeln zu Kleidung und Darstellung.
  • Termin gegen andere Events und gegen Feiertage und stille Tage am Ort und bei deinen Gästen prüfen.
2. Location finden

Eine gute Location spart später viel Ärger.

  • Eignung prüfen: Kapazität, Barrierefreiheit (zum Beispiel über wheelmap.org), Toiletten, Schutz bei Regen, Anbindung an den ÖPNV, Parkplätze.
  • Eigentümer oder Verwalter klären und die Hausordnung lesen.
  • Lass dir die Erlaubnis für Kostüme und Fursuits schriftlich geben.
  • Umkleide und Hitzeschutz einplanen.
3. Behörden und Genehmigungen

Prüfe das immer örtlich, frage früh nach und halte jede Auskunft schriftlich fest.

  • Zuständiges Amt herausfinden (Ordnungsamt, Grünflächenamt, Bürgerservice-Portal; in Österreich und der Schweiz Gemeinde und Kanton) und früh anfragen.
  • Typische Auslöser einer Erlaubnis durchgehen (siehe „Genehmigung: örtlich prüfen“).
  • Bei Verkauf und Ausschank das Gewerbe- bzw. Gaststättenrecht beachten; bei Musik an Lärmschutz und GEMA denken.
  • An besonderen Orten (zum Beispiel Schlössern) ist Fotografieren und Filmen oft genehmigungspflichtig.
  • Gesichtsverhüllung: In Deutschland betrifft das Verbot vor allem Versammlungen, in Österreich und der Schweiz auch den Alltag. Kläre die Ausnahme dort vorab.
  • Die Versammlungsbehörde ist nur zuständig, wenn dein Treffen eine Versammlung ist.
  • Frage die Behörden nach parallelen, öffentlich nicht einsehbaren Veranstaltungen am selben Ort und Zeitraum (siehe „Nützliche Vorkehrungen“).
  • Ein Sicherheitskonzept oder Sanitätsdienst kommt nur als Auflage; sonst reicht dein Notfallplan auf einer Seite.
  • Jugendschutz: Vorschriften aushängen, Alkoholregeln beachten.
4. Versicherung und Haftung

Als Veranstalter hast du eine Verkehrssicherungspflicht.

  • Du bist dafür verantwortlich, Gäste vor vorhersehbaren Gefahren zu schützen.
  • Als Privatperson kannst du festlegen, dass jede Person für sich selbst haftet, zum Beispiel im Event-Text. Dann musst du keine Versicherung für alle Teilnehmenden abschließen; im Zweifel haftet, wer einen Schaden verursacht. Grenzenlos gilt das nicht: Deine Pflicht, vorhersehbare Gefahren zu vermeiden, bleibt bestehen, und die Haftung lässt sich nicht in jedem Fall ausschließen. Bei Zweifeln fragst du eine Versicherung oder eine Rechtsberatung.
  • Eine Veranstalterhaftpflicht gibt es auch als Einzelpolice für einen Termin.
  • Die private Haftpflicht und eine normale Vereinspolice decken solche Veranstaltungen oft nicht. Lies die Bedingungen oder frage nach.
  • Ein Haftungshinweis im Event-Text kann helfen, ersetzt aber weder Erste Hilfe noch Notfallplan.
5. Planung und Kommunikation

Mit der Plattform behältst du Anmeldungen, Fristen und Team im Blick.

  • Lege das Event auf dieser Plattform an: Teilnahmeoptionen, Limits und Fristen; bei Bedarf Furry Taxi und Furry BnB für Anreise und Unterkunft.
  • Ernenne Helfende und Moderatoren und teile ihnen Aufgaben zu.
  • Erstelle einen Zeitplan mit Puffern.
  • Mache den Ort nicht zu früh öffentlich, wenn die Lage es erfordert (siehe „Mögliche Gefahren“).
  • Bei Orten mit viel Besuch reservierst du früh; bei Gastronomie sprichst du die Bezahlung vorab ab.
6. Sicherheit und Awareness

Sicherheit heißt hier: Gefahren früh erkennen und Betroffenen schnell helfen.

  • Schreibe einen Sicherheits- und Notfallplan auf einer Seite: Verantwortliche, Szenarien, Kommunikationswege, Rettungskette.
  • Awareness ist Antidiskriminierungsarbeit und Gewaltprävention. Hauptanliegen ist nicht, Vorfälle zu bewerten oder aufzuklären, sondern Betroffenen einen Schutzraum und individuelle Unterstützung zu bieten. Angepasst an die Veranstaltung, erhöht sie das Sicherheitsgefühl aller. Diese Hinweise beruhen auf dem Awareness-Leitfaden der Stadt Leipzig.
  • Einigt euch im Orga-Team vorab auf eine gemeinsame Haltung (Schulung und Verhaltenskodex helfen). Mach sie öffentlich bekannt, zum Beispiel in der Einladung, und achte in Wort und Bild auf eine diskriminierungsfreie Außenkommunikation.
  • Nimm Diskriminierung, Überforderung und Grenzüberschreitungen in die Risikoanalyse und den Notfallplan auf und begehe den Ort vorab.
  • Das Awareness-Team arbeitet freiwillig, vorhersehbar und parteilich für Betroffene und ersetzt keine Security. Es ist in Gruppen von mindestens zwei Personen im Einsatz, divers aufgestellt, niedrigschwellig ansprechbar und untereinander sowie mit dem Orga-Team erreichbar. Eine Schicht dauert nicht länger als etwa sechs Stunden.
  • Weise mit Schildern auf das Awareness-Team hin und schaffe einen ruhigen Rückzugsbereich mit Wasser und Decken. Informiere vorab über Barrieren.
  • Leitungswasser ist kostenlos, und das preiswerteste Getränk ist alkoholfrei.
  • Stimme dich mit Rettungsdienst, Ordnungsdienst, Gastronomie und Polizei ab und verpflichte Helfende und Dienstleistende zu diskriminierungssensiblem Verhalten.
  • Richte eine anonyme Meldestelle ein (E-Mail oder Messenger), auch für Fälle, die vor Ort nicht zur Sprache kamen, und besprecht dokumentierte Vorfälle nach.
  • Für private Treffen reicht eine verkleinerte Form: zwei erkennbare Ansprechpersonen pro Schicht, ein Rückzugsbereich, der Verhaltenskodex im Event-Text und eine Meldeadresse. Schulungen bieten oft lokale Initiativen an.
  • Nimm bei erhöhter Gefährdung Kontakt zur Polizei auf und kläre Notrufkette und Sammelpunkt.
  • Empfiehl eine An- und Abreise in Gruppen.
  • Störer: nicht provozieren lassen, dokumentieren, im Zweifel die Polizei rufen.
7. Gesundheit, Hygiene und Infektionsschutz

Denke an Gesundheit im Suit, im Gedränge und bei Infektionswellen.

  • Grundhygiene: Handdesinfektion, Abfall, bei Buffet oder Mitbring-Picknick auf Lebensmittelhygiene achten.
  • Köpfe und Suits werden nicht verliehen und nach dem Tragen gelüftet und gereinigt. Wer krank ist, kommt nicht („con crud“).
  • Draußen ist es günstiger als drinnen; drinnen achtest du auf Lüftung.
  • Bei einer künftigen Pandemie oder Epidemie prüfst du aktuelle Verordnungen und Allgemeinverfügungen; sie ändern sich kurzfristig.
  • Ein schriftliches Hygienekonzept (Abstand, Masken, Lüftung, Obergrenze, Zuständige) und ein Teilnehmerlimit können vorgeschrieben sein.
  • Kontakterfassung nur, wenn sie vorgeschrieben ist: datensparsam, sicher aufbewahrt, nach der Frist gelöscht, nur für diesen Zweck und ohne offene Listen zum Eintragen.
  • Lege Absage- und Erstattungsregeln vorher fest.
  • Masken unter dem Fursuit-Kopf erschweren das Atmen; verzichte dann lieber auf Fursuiting.
8. Durchführung

Am Tag selbst zählen klare Absprachen und erreichbare Ansprechpersonen.

  • Check-in: Erfasse die Anwesenheit per QR-Scan des Profil-QR-Codes und trage Personen ohne Anmeldung nach.
  • Sorge dafür, dass eine Ansprechperson vor Ort erreichbar ist und Verhaltenskodex und Awareness sichtbar sind.
  • Fursuit-Regeln: ein Spotter je Fursuiter, Headless-Raum und Umkleide ohne Fotos, Pausen und Getränke, Foto- und Umarmungs-Badges, nicht von hinten umarmen, nicht hochheben, kein Blitz.
  • Fotoregeln: Einwilligung einholen und eine Kennzeichnung „keine Fotos“ ermöglichen.
  • Regle den Umgang mit Waffen- oder Prop-Nachbauten und mit Alkohol.
  • In der Gastronomie führst du die Bestell- und Zahlliste.
9. Nachbereitung

Nach dem Treffen ist vor dem nächsten.

  • Dokumentiere Vorfälle und melde sie (Polizei, Opferberatung, Meldestellen).
  • Prüfe Fotos vor der Veröffentlichung (Gesichter, Kinder).
  • Lies das Feedback der Teilnehmenden und nutze es für das nächste Mal.
  • Bedanke dich bei Helfenden und Gästen.
  • Rechne ab und übergib die Location sauber.
  • Halte deine Erfahrungen fest, damit das nächste Treffen leichter wird.
10. Hilfreiche Links

Nur Links zu externen Seiten, ohne eingebettete Inhalte. Sie sind Beispiele und können sich ändern.

Planung und Behörden

Anlaufstellen bei Angriffen

Beispiele: Suche in deinem Land oder Bundesland die passende Beratungsstelle. Bei akuter Gefahr rufe die Polizei (Notruf 112; Polizei in Deutschland 110, in Österreich 133, in der Schweiz 117).

Nützliche Vorkehrungen

  • Orte, an denen bezahlt wird (Restaurant, Café, Biergarten): Führe Buch darüber, wer was bestellt und vor allem wer bezahlt hat, und sprich das vorab mit dem Personal ab (Einzel- oder Gruppenrechnung, Ansprechperson, Zeitfenster). So bleibt niemand auf offenen Rechnungen sitzen.
  • Orte mit viel Besuch: Reserviere früh Plätze oder Tische, koppele die Zahl an das Teilnehmerlimit und plane Zeitpuffer ein.
  • Veranstaltungen im öffentlichen Bereich: Beziehe die Behörden immer ein, nicht nur wegen einer Genehmigung. Ordnungsamt und Polizei kennen oft andere Veranstaltungen am selben Ort und Zeitraum, die öffentlich nicht einsehbar sind (zum Beispiel angemeldete Versammlungen, Gegenveranstaltungen, Märkte, Sperrungen). Solche Überschneidungen können zur Gefahr werden oder Konflikte auslösen und gehören früh in die Planung.

Muster: Verhaltenskodex

Ein kurzer Mustertext zum Übernehmen in deinen Event-Text. Passe ihn an dein Treffen an.

  1. Wir gehen respektvoll miteinander um. Diskriminierung, Beleidigungen und Belästigung haben bei uns keinen Platz.
  2. Frag, bevor du jemanden anfasst oder umarmst. Ein Nein gilt sofort.
  3. Fursuiter wollen nicht gezogen, hochgehoben oder von hinten umarmt werden. Von außen siehst du nicht, wer im Suit steckt und wie der Körper darunter gebaut ist: Intimzonen können woanders liegen, als es von außen aussieht. Frage deshalb vor jeder Berührung und folge den Hinweisen der Spotter. Der Kopf wird nicht vor Außenstehenden abgenommen; dränge niemanden dazu.
  4. Fotografiere nur mit Einwilligung. Wer ein „Keine Fotos“-Zeichen trägt, wird nicht fotografiert; im Headless-Bereich gibt es keine Fotos.
  5. Alle sind willkommen, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung oder Aussehen.
  6. Alkohol und andere Drogen: Es gelten die gesetzlichen Regeln und der Jugendschutz.
  7. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, sprich die Ansprechpersonen oder das Awareness-Team an oder schreibe an die Meldeadresse. Wer gegen diese Regeln verstößt, kann vom Treffen ausgeschlossen werden.

Pflichtprüfungen vor jeder Veranstaltung

Gehe diese Punkte vor jedem Treffen durch. Dieselbe Liste gibt es als Textdatei zum Abhaken und Ausdrucken.

Checkliste herunterladen (TXT, ca. 3 KB)

  • Art der Veranstaltung geklärt (offenes Treffen, Versammlung, privat)
  • Schriftliche Erlaubnis des Eigentümers oder Verwalters, auch für Kostüme und Fursuits
  • Bei der zuständigen Stelle von Stadt oder Gemeinde nachgefragt, ob Anzeige oder Erlaubnis nötig ist (Sondernutzung, Ausschank, Aufbauten); Antwort schriftlich
  • Versammlung angemeldet (wenn zutreffend)
  • In Österreich oder der Schweiz geklärt, ob Fursuits und Köpfe im öffentlichen Raum als Ausnahme vom Verhüllungsverbot gelten
  • Eigener Notfallplan auf einer Seite; Sicherheitskonzept nur, wenn die Behörde es verlangt
  • Haftung geklärt: Eigenverantwortung festgelegt oder Versicherung abgeschlossen
  • Erste Hilfe oder Sanitätsdienst geregelt
  • Jugendschutz und Alkoholregeln beachtet, Aushang vorhanden
  • Verhaltenskodex veröffentlicht
  • Awareness-Team benannt
  • Foto-Regeln festgelegt und Hinweis vorbereitet
  • Datenschutz der Teilnehmerdaten beachtet (nur über die Plattform, keine Listen weitergeben)
  • Wetter- und Hitzeplan
  • Termin gegen Feiertage und stille Tage geprüft (Tanzverbot, Ruhezeiten, regionale Feiertage der Gäste)
  • Aktuelle Infektionsschutz-Regeln geprüft, Hygienekonzept falls vorgeschrieben
  • Barrierefreiheit geprüft
  • An- und Abreise geklärt
  • Ansprechperson vor Ort erreichbar
  • Gefährdungslage geprüft (Gegenveranstaltungen, Drohungen online)
  • Behörden nach parallelen Veranstaltungen am Ort und Zeitraum gefragt
  • Spotter je Fursuiter festgelegt und eingewiesen, Handzeichen abgesprochen
  • Bei der Anmeldung nach langen Tails, großen Flügeln und harten, spitzen Teilen gefragt, Platz und Engstellen geprüft
  • Fursuiter informiert: Grenzen kennen, genug trinken, bei Problemen Hilfe holen, goldene Regel, im Notfall geht die Gesundheit vor dem Suit
  • Plätze reserviert, Bezahlung mit der Gastronomie abgesprochen, Bestell- und Zahlliste vorbereitet

Mögliche Gefahren

Eine Übersicht mit Beispielen und Vorbeugung. Nicht jede Gefahr trifft jedes Treffen.

Mögliche Gefahren mit Beispiel und Vorbeugung
Gefahr Beispiel Vorbeugung
Queerfeindliche oder rechtsextreme Angriffe und Drohungen CSDs und andere queere Veranstaltungen waren zuletzt vermehrt Ziel von Angriffen und Drohungen, auch gegen Organisierende. Gefährdungslage prüfen, Polizei früh informieren, das Orga-Team nicht unnötig mit vollem Namen zeigen, in Gruppen an- und abreisen, Awareness und Notrufkette einrichten.
Belästigung und Grenzüberschreitung Anfassen von Fursuitern, unerwünschte Umarmungen, Aufdringlichkeit. Verhaltenskodex, Awareness-Team, Badges, klare Ansprechpersonen.
Outing, Doxxing, Fotos ohne Einwilligung Veröffentlichung von Gesichtern und Namen, Weitergabe von Teilnehmerlisten. Foto-Regeln und Hinweis, keine Fotos von Kindern ohne Einwilligung der Sorgeberechtigten, Listen nur über die Plattform, öffentliche Teilnehmerliste ausschalten.
Online-Hetze, Bekanntwerden des Orts Aufruf zu Gegenaktionen, Trolle. Ort erst spät und nur an Angemeldete nennen, Meldewege einrichten, Beweise sichern.
Hitze, Kreislauf, eingeschränkte Sicht im Fursuit Überhitzung, Dehydrierung, Stolpern an Treppen und Pollern, Stürze. Eigene Grenzen kennen, genug trinken, ein Spotter je Fursuiter, Getränke und Verpflegung, Pausen, Headless-Raum, Schatten; im Notfall den Kopf sofort abnehmen.
Größe und Bauform von Suits: Kinder, Tiere, lange Tails, große Flügel, spitze Teile Kinder außerhalb des Sichtbereichs werden angerempelt oder getreten, Tiere reagieren unvorhersehbar (Angst, Aggression, Beschützerinstinkt), auf lange Tails wird getreten (Schaden, Sturz), große Flügel schränken die Sicht ein oder klemmen an engen Stellen, harte Krallen und Zähne verletzen andere. Genug Platz, Engstellen meiden, Abstand zu Tieren, mehr Spotter als Fursuiter bei Gedränge, vorab nach Maßen und spitzen Teilen fragen, harte Spitzen abdecken oder zu Hause lassen.
Minderjährige, nicht altersgerechte Inhalte Alkohol, anzügliche Darstellungen. Jugendschutz beachten, Aushang, Aufsicht, Regeln zu Kleidung und Darstellung.
Alkohol und Drogen Alkohol im Park, Konsum. Regeln aufstellen, Ansprechpersonen benennen, bei Verstoß ausschließen.
Vermummungs- bzw. Verhüllungsverbot, Polizeikontrollen In Deutschland bei Versammlungen; in Österreich und der Schweiz auch im Alltag mit Bußgeld. Ausnahme vorab klären, Ausweis bereithalten, bei einer Kontrolle den Kopf abnehmen.
Diebstahl oder Beschädigung von Fursuits Suits unbeaufsichtigt, Umkleide offen; Ziehen am Schweif in Menschenmengen, vor allem durch Kinder. Bewachte Umkleide, Beschriftung, Haftungsregeln, mehr Spotter als Fursuiter in Menschenmengen.
Überfüllung, Unwetter, Unfall Gedränge, Gewitter. Limit setzen, Wetterplan, Sammelpunkt, Erste Hilfe.
Ausfall von Location oder Organisator Absage kurz vor dem Termin. Ersatzort, Stellvertretung, Absage-Kommunikation vorbereiten.
Verstoß gegen Feiertagsrecht Tanz bzw. Vergnügung an stillen Tagen mit Bußgeld; Gäste aus Ländern mit anderem Feiertagskalender. Termin gegen Feiertage prüfen, im Zweifel das Ordnungsamt fragen.
Infektionen, künftige Pandemie Grippe bzw. „con crud“; kurzfristige Auflagen oder Verbote. Hygienekonzept bereithalten, Absage- und Erstattungsregeln festlegen, Lüftung bzw. draußen feiern.
Offene Rechnungen, Streit mit der Gastronomie Unklar, wer was bestellt und bezahlt hat. Bestell- und Zahlliste führen, mit dem Personal absprechen.
Konflikt mit parallelen Veranstaltungen am Ort Eine andere, nicht öffentliche Veranstaltung am selben Ort und Zeitraum. Früh beim Ordnungsamt bzw. bei der Polizei nachfragen.
Datenschutzpanne Eine Liste geht verloren oder wird öffentlich. Daten sparsam erheben, Zugriff beschränken, schnell löschen.

Die Plattform hilft dir dabei

Diese Funktionen von German-Furs Network unterstützen dich bei Planung und Durchführung:

  • Öffentliche Teilnehmerliste abschaltbar: Du entscheidest, ob Namen auf der Event-Seite erscheinen. Das schützt vor Outing und Doxxing.
  • Anwesenheit per QR: Auf der Verwaltungsseite scannst du den QR-Code aus dem Profil deiner Gäste und hakst die Anwesenheit ab.
  • Moderatoren: Ernenne Personen, die dich bei der Verwaltung des Events unterstützen.
  • Feedback: Teilnehmende können nach dem Treffen eine Rückmeldung geben.
  • Teilnahmeoptionen, Limits und Fristen: Lege ein Teilnehmerlimit, Anmeldefristen und eigene Optionen fest, zum Beispiel um Spotter und Plätze zu planen.